Ohne Kapitalmärkte geht es nicht

Pioniere und Junge Politik im Dialog Interview mit OpenMetrics CEO und Co-Founder Felix Fernandez

 

Wer traut sich als erster? Unter der Bedingung ‚gesellschaftlich relevant‘? Für meine Initiative Junge Politik im Dialog sagte spontan Felix Fernandez ‚Ich‘ dazu. Als CEO des schweizerischen ETH Zürich Spin-Off OpenMetrics fühlt er sich im Pioniersein zu Hause. Am 12. Dezember 2019 debattierten wir zum ersten Mal im Frankfurter Café Rosso zum Thema „ohne Kapitalmärkte geht es nicht“ – sieben junge Politiker, unser Ehrengast, der schweizerische Generalkonsul in Frankfurt Dr. Urs Hammer, Felix Fernandez und ich. Im Fokus: Die Altersvorsorge.

Zum Geburtstag von ‚Junge Politik‘ ein Blick zurück. Ich habe Felix Fernandez gefragt.

Wie hast Du Dich für die Idee begeistert, unser Pilotthema „Ohne Kapitalmärkte geht es nicht“ für ‚Junge Politik im Dialog‘ auf die Beine zu stellen?

Das Thema hat bei mir eine Saite zum Schwingen gebracht: Einen gesellschaftlich relevanten Dialog parteiübergreifend mit jungen Politikern führen. In entspannter, intellektueller Caféhausatmosphäre und ohne politischen Druck. Der Inhalt ‚Altersvorsorge‘ ist ein zentrales gesellschaftliches Thema. Mir lag daran, einen Gegenpol zum Unwort des Jahres 2019/2020 ‚Aktienkultur‘ zu setzen. Die Gleichsetzung mit dem Begriff greift viel zu kurz – wichtig ist ein besseres Verständnis für Risiko. Das sieht man am aktuellen Skandal ‚Wirecard‘. In den Köpfen vieler Bürger entsteht damit eher das Bild einer Casino-Kultur und nicht der einer sinnvollen Anlageform. Wir beschäftigen uns bei OpenMetrics damit, wie die Märkte funktionieren, nämlich als physikalisches System. Und genau das wollte ich gemeinsam mit den Jungpolitikern anschauen.

Wir haben uns alle hinein gefunden, ja hineingewühlt in Deine wissenschaftliche Herangehensweise an den gesellschaftlichen Nutzen. Den gesellschaftlichen Nutzen, den Kapitalmärkte als Partizipationsmodell an der wirtschaftlichen Entwicklung möglich machen. Wie hast Du das erlebt? 

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Ich habe es als sehr offenen, interessierten aber auch kritischen Dialog empfunden. Kritisch im Sinne von: wie kann ich das auf alle Gesellschaftsschichten übertragen. Zum Beispiel auf eine alleinerziehende Mutter. Es ist ein komplexes Thema. Wir brauchen eine Struktur, die Menschen hilft, Altersvorsorge nicht als etwas Abstraktes zu betrachten, sondern sie auch praktisch umzusetzen.

Stetige Performance über mehrere Jahre gemessen und eine effiziente Umsetzung ist zentral. Der Drei-Säulen-Ansatz In der Schweiz ist eine gute Lösung: die obligatorische umlagefinanzierte staatliche Versicherung, die obligatorische kapitalgedeckte berufliche Vorsorge und die private Vorsorge. Asset Management ist am Ende des Tages auch (nur) ein Handwerk.

Die zeitliche und kostenseitige Transparenz fordern Anleger und Interessierte viel zu wenig über einen längeren Zeitraum und im Vergleich zur Benchmark ein. Auch darüber haben wir debattiert. 

„If you can measure it, you can improve it.” Dieses Motto habt Ihr aus der ETH Zürich nach OpenMetrics mitgenommen. Das war ein toller roter Faden beim Austausch. Verrätst Du, was dahinter steckt?

Dieses Zitat stammt von Lord Kelvin, einem britischen Physiker. Um 1850 bis 1905 hat er bahnbrechende Entwicklungen im Bereich der Thermodynamik vorangebracht und vor allem das richtige Messen in den Vordergrund gestellt. Die Frage ‚Wie misst man Risiko an Finanzmärkten?‘ ist unsere zentrale Herangehensweise. Kurz: NOWCAST. Messen des aktuellen Zustands – das machen wir.

Etwas zum Hintergrund: Der russische Mathematiker Lyapunov, hat eine physikalische Systemgrenze eingeführt, die wir mathematisch nicht überschreiten können. Beispiel Wettervorhersage: Egal wie gut die Modelle zur Vorhersage sind, bekommen wir jenseits der 5-10 Tage-Grenze keine verlässliche Vorhersage. Übertragen auf die Finanzmärkte heißt das: Nach dem Überschreiten der Systemgrenze, können wir keine sinnvollen Aussagen mehr treffen. Mit diesem Hintergrund passt beispielsweise die technische Analyse heutzutage nicht mehr ins professionelle Umfeld. Auch unser aktuelles, regulatorisches Risikomaß ‚Value at Risk‘ ist aus anderen Gründen nicht mehr zeitgemäß.

Fazit: Wir können Finanzmärkte nicht vorhersagen, sondern sollten uns darauf konzentrieren, sie so gut wie möglich zu messen. 

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Wir haben am 12. Dezember einen Teilnehmer-Konsens erreicht: „Bildung und Zugang zum Thema als zentrale Partizipationsvoraussetzung“. Dieser Konsens ist vor allem auf Deinen neutral- wissenschaftlichen Ansatz zurückzuführen. Was hat Dich in der Debatte vor dem Konsens besonders positiv überrascht?

Ich war positiv überrascht, wie offen und unvoreingenommen sich unsere Gäste mit dem Thema beschäftigt haben. Das war echtes Interesse, das zum Konsens geführt hat. Ein sehr positives, gutes Erlebnis. Und Ergebnis!

Worüber würdest Du heute gern mit unseren Gästen sprechen? 

Über die ‚Lessons Learnt‘: Wie weit hat unsere Debatte die Sicht auf die Kapitalmärkte und die Risikomessung verändert? Auch über die Sicht unter Corona würde ich mich heute gern austauschen – als Lehrbuchbeispiel einer kurzzeitigen Marktkrise. Und als dritten Punkt würde ich gern das Thema Kryptowährungen aus Sicht der Diversifikation ansprechen. Warum kann es Sinn machen, in andere Assetklassen zu investieren? 

Herzlichen Dank für die spannende Retrospektive mit Ausblick!

Mit 17 Standorten weltweit verbindet die EEX Group mehr als 670 Handelsteilnehmer aus 38 Ländern. Sie ist die führende Energiebörse Europas und die Nummer 1 im Strom- und im Emissionshandel weltweit. Beim zweiten, diesmal virtuellen Round Table von Junge Politik im Dialog sprachen am 26. Oktober junge Politikerinnen und junge Politiker der Jungen Union, der JUSOS, der Jungen Grünen und der Jungen Liberalen mit EEX CEO Peter Reitz. Im Fokus: die Relevanz des Börsenhandels für die Märkte, ihre zentrale Rolle im liberalisierten Energiemarkt, als Innovationstreiber und Krisenmanager. Dass der Markt Lösungen zur Integration erneuerbarer Energien anbietet, zählte zu den aktuellen energie- und klimapolitischen Themen der Diskussion, wie auch der Emissionshandel. Dass die Märkte der EEX Group grüne Energien verbinden,  schätzten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Danke für den wertvollen Austausch und die vielen verschiedenen Blickwinkel an Deborah Düring (Grüne Jugend Hessen), Dominik Felske (Junge Union Deutschlands), Fritz Gnörich (Jungliberale Aktion Sachsen), Niklas Hannott (Junge Liberale Hessen), Christian Koch (Junge Union Deutschlands), Stefanie Kraft (JUSOS Hessen), Christoph Mengs (JUSOS Sachsen), Yanick Schwander (Junge Union Hessen), Johannes Zeller (Jungliberale Aktion Sachsen) und an Kai Dau-Schmidt (Bündnis 90 / Die Grünen Hessen). Danke an die EEX mit Heike Berger, Daniel Wragge und Anniko Charlet und natürlich an Peter Reitz für die Gastfreundschaft.

Junge Politik im Dialog ist eine Initiative der Raclet & Herter Financial Community Relations and Culture GmbH und ist mit der Hessen Agentur abgestimmt.